Barrierefreiheit at its best: Ein Ausflug ins Deutsche Museum in München

Wir bei Reiseservice Henser kennen uns ja im Bereich Barrierefreiheit inzwischen wirklich gut aus und sehen bereits viele gute Lösungen für den Alltag von Menschen mit Behinderung. Aber manchmal erleben auch wir noch Momente, in denen wir baff sind – baff im positivsten Sinne. So geschehen neulich in München, als ich das Deutsche Museum besucht habe.

Oft rühmen sich Museen bereits als top barrierefrei, wenn ihr Gebäude über eine Rampe erreichbar ist und es im Erdgeschoss eine (!) barrierefreie Toilette gibt. Das Deutsche Museum hingegen hat den barrierefreien Besuch von vorne bis hinten durchdacht und sorgt so für ein positives Museumserlebnis, egal welche Beeinträchtigung Besuchende haben. Neben den für alle zugänglichen Ausstellungen werden hier auch Inhalte inklusiv vermittelt. Aber von vorne:

Das Museum

Das Deutsche Museum ist eines der größten naturwissenschaftlichen Museen der Welt und befindet sich im Herzen von München auf der sogenannten Museumsinsel in der Isar. Innerhalb des Museums gibt es rund 20 Abteilungen verteilt auf vier Stockwerke, in denen Naturwissenschaft und Technik dargestellt und erklärt wird.

Der Eintritt

Der reguläre Eintritt für Einzelpersonen kostet 18 Euro, Schwerbehinderte  zahlen  mit Nachweis 8 Euro. Schwerbehinderte Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 17 Jahren erhalten freien Eintritt, ebenso Begleitpersonen von Schwerbehinderten. Assistenzhunde dürfen mitgebracht werden. Es empfiehlt sich vorher Tickets über die Website zu buchen, das geht jeweils mit einem Vorlauf von drei Wochen.

Der Zugang

Menschen mit Gehbehinderung haben im Museum wenig bis keine Probleme. Es gibt überall Rampen, Aufzüge, Hublifte. Alle Türen haben eine  Mindestbreite von 90cm, sodass Rollstühle überall hindurchpassen. An Treppen gibt es beidseitige Handläufe und kontrastierte Stufenkanten. Die Exponate sind überwiegend im Sitzen anfahr- und wahrnehmbar. Rollstühle und mobile Hocker können kostenfrei ausgeliehen werden. Alle Informationen, die der Orientierung dienen, werden auch als Piktogramme dargestellt, sodass sich auch Menschen im Gebäude zurechtfinden, die nicht lesen können. Im Boden gibt es ein taktiles Leitsystem für Sehbehinderte.

Die App

Was früher der Faltplan oder das Begleitheft war, ist heute eine App. Diverse große Museen leiten ihre Besucher mithilfe ihres Smartphones durch ihre Ausstellungen. Die  App vom Deutschen Museum hilft einem bei der Orientierung auf dem Lageplan, indem der eigene Standort angezeigt wird und fungiert bei vielen Exponaten als wertvolle Erweiterung. So werden beispielsweise 60 Tastmodelle mit Audiodiskreption in der App erweitert. Das Tolle: Inhalte lassen sich wahlweise in leichter Sprache oder Gebärdensprache wiedergeben.  Außerdem sind sieben weitere Sprachen verfügbar.

Die Führungen

Neben der selbstständigen Erkundung bietet das Deutsche Museum auch geführte Touren für besondere Zielgruppen: Taktile Führungen, Angebote in Gebärdensprache oder speziell ausgearbeitete Vermittlungsformate für Menschen mit Demenz oder Lernschwierigkeiten lassen sich vorab buchen. Gruppenleitende können vorab Kontakt mit dem Besucherservice aufnehmen und eine Führung auf die Bedarfe ihrer Gruppe abstimmen.

Zwei Beispiele

  • In der Luft- und Raumfahrthalle sind Flugzeuge oder Raketenmodelle so platziert, dass sie von allen Seiten gut einsehbar sind – auch aus sitzender Perspektive. Besonders geeignet für Gruppen mit Lernschwierigkeiten sind die interaktiven Stationen, an denen Grundprinzipien wie Auftrieb oder Schwerkraft spielerisch erklärt werden. Einige Exponate lassen sich per Knopfdruck oder Hebel bedienen, ohne feinmotorische Anforderungen. So können Teilnehmende selbst aktiv werden und technische Zusammenhänge unmittelbar erfahren.
  • In der Musikinstrumenten-Ausstellung können Besuchende Klang und Technik mit mehreren Sinnen entdecken. Die Ausstellungsräume sind überwiegend ebenerdig oder über Aufzüge erreichbar und bieten ausreichend Bewegungsfläche für Rollstühle und Begleitpersonen. Zahlreiche Instrumente sind als Tastmodelle oder frei zugänglich präsentiert, sodass insbesondere sehbehinderte Menschen Formen, Materialien und Mechaniken ertasten können. Hörstationen mit Musikbeispielen und erklärenden Audiotexten vermitteln anschaulich, wie Klänge entstehen und wie sich Instrumente historisch entwickelt haben.

Also: Wenn ihr mit eurer Handicap-Gruppe auch nur irgendwo in fahrbarer Distanz zu München unterwegs seid, plant unbedingt einen Tag im Deutschen Museum ein. Ihr werdet ganz sicher nicht enttäuscht!

Weitere Informationen zur Barrierefreiheit im Deutschen Museum findet ihr hier.

 Barrierefreie Gruppenhäuser in Deutschland und Österreich

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