Fliegen mit einer Behindertengruppen – Was Betreuende wissen sollten

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Stabile 25 Grad, leichte Brise, in der Hand ein Cocktail, Füße im Sand und Blick aufs Mittelmeer. Gründe für eine Reise in südliche Gefilde gibt es viele. Die Anreise zählt – seien wir ehrlich – nicht dazu. Gerade Behinderten-Gruppen schrecken oft vor weiter entfernt liegenden Reisezielen zurück, weil sie den Flug scheuen. Und natürlich ist bei einer Flugreise für Menschen mit Handicap einiges zu beachten. Unsere Erfahrung zeigt aber: Mit einer guten Vorbereitung ist der Flug für alle Beteiligten gut zu bewältigen. Hier Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was muss vorbereitet werden? 

Wichtig ist, dass Personen mit Beeinträchtigung im Vorfeld bei der Airline angemeldet werden. Alle Firmen stellen dafür Formulare auf ihren Webseiten zur Verfügung, auf dem die Bedarfe vermerkt werden können. Egal ob Blindheit, Gehbehinderung, Intelligenzminderung, Spastik, Autismus: Je genauer angegeben wird, was der Passagier hat und welche Hilfen er benötigt, desto besser kann und wird die Bordcrew sich um die Gruppe kümmern können. Sollte ein Reisegast auf medizinische Produkte (beispielsweise Inkontinenzmaterial, Desinfektionsmittel usw.) angewiesen sein, deren Volumen nicht ins normale Gepäck passt, kann bei vielen Airlines ein zusätzliches Gepäckstück angemeldet werden, das dann kostenlos als Sondergepäck mitgeflogen wird.

Wie kriege ich Hilfe am Flughafen? 

Flieger, Start, Take Off, AbhebenSofern ihr eure Gruppe bei der Airline angemeldet habt, werden euch verschiedene Unterstützungen am Flughafen angeboten. Das reicht von Service-Personen, die Rollstühle schieben und euch durch die Sicherheitskontrolle begleiten bis hin zur Aushändigung von Sunflower Lanyards. Dabei handelt es sich um grüne Schlüsselbänder mit Sonnenblumen, die auf eine nicht sichtbare Behinderung oder eine chronische Erkrankung hinweisen. Die Bänder sensibilisieren das Flughafenpersonal dafür, dass der oder die Tragende möglicherweise mehr Zeit und Rücksichtnahme bei den Prozessen am Flughafen benötigt.

Wie läuft das mit dem Rollstuhl? 

In der Regel wird der eigene Rollstuhl am Flughafen als Gepäck aufgegeben und die reisende Person in einen Rollstuhl vom Flughafen umgesetzt. Diese sind oft etwas schmaler und passen durch die Gänge. Die Rollstuhlfahrer werden mit einem Hubwagen direkt an die Flugzeugtür gebracht. Oft sind sie die ersten Passagiere, die ins Flugzeug einsteigen und die letzten, die wieder aussteigen. Im Flugzeug muss der Rollifahrende mit Hilfe auf einen normalen Sitz umgesetzt werden können. Wenn das nicht geht, ist keine Flugreise möglich. Der aufgegebene Rollstuhl darf je nach Fluggesellschaft bestimmte Packmaße nicht überschreiten. Bei E-Rollis sollte die Batterie abnehmbar sein, da Lithium-Batterien aufgrund von Brandgefahr nicht im Frachtraum transportiert werden dürfen.

Was ist bei Medikamenten im Flugzeug zu beachten? 

Medikamente, Tablets, Medizin, HeilungGrundsätzlich sollten Reisegäste ihre Medikamente aufteilen: Eine Wochenration sollte in den Koffer und eine weitere Wochenration ins Handgepäck. So ist der Teilnehmende sicher für die Dauer der Reise versorgt, selbst wenn ein Gepäckstück verloren geht. Die Ration im Handgepäck sollte in der Originalverpackung mit Beipackzettel mitgeführt werden. Die Ration im Koffer kann in einem Dosett oder einem Pillen-Dispenser transportiert werden. Besonders Bedarfsmedikation sollte immer „am Mann“ getragen werden. Falls ein Medikament unter das Betäubungsmittel-Gesetz fällt, benötigt die Person ein Dokument, das vom Arzt ausgefüllt und unterschrieben sein muss – auch wenn diese Bescheinigung nur selten kontrolliert wird. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte stellt einen kostenfreien Vordruck dafür online zur Verfügung.

Wie funktioniert die Sicherheitskontrolle mit einer Handicapgruppe? 

Handicap-Gruppen, die mit ausreichend Vorlauf (mindestens 72 Stunden) bei der Airline angemeldet sind, werden in der Regel bevorzugt behandelt, um lange Wartezeiten in dichtem Gedränge zu vermeiden. Das betrifft sowohl den Check-in als auch die Sicherheitskontrolle sowie das Boarding.

Wenn Teilnehmende auf flüssige Nahrung oder Sondennahrung angewiesen sind, reicht in der Regel eine Bescheinigung vom Arzt oder der Einrichtungsleitung aus, damit die Nahrung auch durch die Sicherheitskontrolle mit ins Flugzeug genommen werden kann. Gleiches gilt für medizinische Geräte wie ein EpiCare, Insulinpumpen, Messgeräte oder Stromabeutel. Beatmungs- und Sauerstoffgeräte müssen vom Arzt attestiert sein und vorab genehmigt werden.

Worauf sollte ich noch achten?

Wie immer ist der Schlüssel zu einem guten Reiseerlebnis eine gute Kommunikation vorab. Das bedeutet, dass ihr nicht nur transparent mit der Fluggesellschaft, sondern auch mit euren Teilnehmenden sowie Angehörigen kommunizieren müsst. Bereitet sie darauf vor, wie die Flugreise ablaufen wird und welche Probleme, Wartezeiten oder Unwägbarkeiten auftreten können. Klärt im Vorfeld ganz genau, welche Gegenstände mit ins Handgepäck genommen werden dürfen und welche nicht, damit es nicht zu unschönen Szenen kommt, bei denen möglicherweise geliebte Dinge konfisziert werden. Um Stress zu vermeiden, solltet ihr außerdem genug Zeit einplanen und mindestens zwei, besser drei Stunden vor Abflug am Flughafen eintreffen.

Wir hoffen, die wichtigsten Fragen zum Fliegen mit einer Handicap-Gruppe beantwortet zu haben. Sollte euch trotzdem noch etwas unter den Nägeln brennen oder solltet ihr andere Erfahrungen gemacht haben, schreibt uns gerne!

Unsere barrierefreien Gruppenhäuser

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